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"Ab dem 30. Lebensjahr verringert sich die Chance auf eine Schwangerschaft"

Dr. Stefan Palm ist seit 1988 als Frauenarzt in Köln niedergelassen und im Bereich der Gynäkologischen Endokrinologie und Reproduktionsmedizin tätig. Er ist Gründer und ärztlicher Leiter des Kinderwunschzentrums MVZ PAN Institut, sowie der PAN Klinik am Neumarkt, einer interdisziplinär tätigen Klinik mit ambulanter und stationärer Versorgung im Herzen von Köln.


Herr Dr. Palm, vor genau 40 Jahren wurde erstmals ein Mensch in einem Reagenzglas gezeugt. Sie befassen sich als Mediziner auch schon viele Jahrzehnte mit künstlicher Befruchtung. Was hat sich in diesen Jahren verändert?

Die Reproduktionsmedizin ist über die Jahre deutlich erfolgreicher geworden. Der zunehmende Erfolg basiert wesentlich auf einem besseren Verständnis der Abläufe. Während in den 70ern und 80ern nach künstlicher Befruchtung nur jede zehnte Frau schwanger wurde, wird es heute in der Altersklasse von unter 35 Jahren schon nahezu jede zweite Frau. Zu verdanken ist das aber auch einer deutlich optimierten Technologie, einer Prozessvereinheitlichung verbunden mit präzisem Qualitätsmanagement und einer zunehmend verstärkten interdisziplinären Betreuung der Paare. Während die Therapie anfangs auf breite Ablehnung gestoßen ist, hat sie jetzt eine zunehmende Akzeptanz gefunden. Dies hat auch Anfang der 90er Jahre zu einer Übernahme der Therapie in den Leistungskatalog der Krankenkassen geführt.


Sie sind ärztlicher Leiter des MVZ PAN Instituts, welches in diesem Jahr bereits sein 30- jähriges Bestehen feiert. Warum ist die medizinische Erfahrung von Reproduktionsmedizinern so wichtig?

Weil nahezu jedes Paar eine andere, persönliche Konstellation aufweist, der man nicht nur durch Lehrbuchwissen, sondern durch eine individualisierte Therapie gerecht werden muss. Da ist der Erfahrungsschatz und ein umfangreiches Wissen des behandelnden Arztes enorm wichtig. Zwei Drittel der Kinderwunsch-Patienten im MVZ PAN Institut weisen keine „Studienkonstellation“ auf, sondern das klinische Bild wird durch individuell unterschiedliche Faktoren wie zunehmendes Alter und unterschiedliche Begleiterkrankungen beeinflusst. Aus diesem Gesamtbild zieht der Arzt dann seine Rückschlüsse für eine mögliche Therapie.


Rund jedes zehnte Paar hat Schwierigkeiten, auf natürlichem Wege ein Kind zu bekommen. Ab wann spricht man von ungewollter Kinderlosigkeit und was sollen die Paare dann tun?

Das wird weltweit teilweise etwas unterschiedlich definiert. Grundsätzlich kann man aber schon nach einem Jahr Kinderlosigkeit davon ausgehen, dass ein grundsätzliches Problem vorliegen könnte. Das ärztliche Vorgehen wird hier insbesondere auch durch das Alter der Frau, aber auch des Mannes bestimmt. Wenn die Patientinnen über 35 Jahre oder der Partner über 45 Jahre alt sind, dann sollten die Paare nicht ein ganzes Jahr warten, bevor sie medizinische Hilfe suchen. Dann drängt die Zeit und sie sollten auch nach Rücksprache mit Ihrem Hausarzt ein reproduktionsmedizinisches Zentrum aufsuchen. Darüber hinaus wäre es grundsätzlich sinnvoll, wenn alle Patienten sich um das 25. Lebensjahr einer Untersuchung zur Abklärung der individuellen Fertilitätsprognose beim Frauenarzt oder dem Andrologen unterziehen würden, wie dies beispielhaft an der Universität-Frauenklinik in Kopenhagen geschieht.


Welche ersten Schritte müssen Paare machen, bei denen die Frau nicht auf natürlichem Weg schwanger wird?

Zunächst muss die oft unterschiedliche Krankengeschichte im Einzelnen erfasst werden. Soweit keine auswärtigen Befunde vorliegen, folgen dann meist Blutuntersuchungen bei beiden Partnern, eine Samenuntersuchung des Mannes und jeweils die körperliche Untersuchung. Danach wird dann in einem ausführlichen Gespräch entschieden, ob schon eine Therapie eingeleitet werden kann, oder ob vorab noch weitere in unserer Klinik vertretene Fachdisziplinen (Andrologie, Fertilitätschirurgie, Humangenetik, etc.) einbezogen werden sollen.


Die Zahl der Kinderwunschbehandlungen erhöht sich seit Jahren. Werden die Menschen denn zunehmend unfruchtbarer?

Es gibt zwar deutliche Hinweise, dass umweltbedingte und "Life Style"-Faktoren die Fertilität bei beiden Partnern deutlich beeinflussen können, dies ist jedoch nicht der wesentliche Grund für eine zunehmende Zahl an Kinderwunsch-Behandlungen. Unter anderem auch durch die Erfolge der Eizellenspende im Ausland entsteht oft bei Patienten der Eindruck, man könne weit über das 40. Lebensjahr hinaus ohne weiteres schwanger werden. Dies zeigte auch eine vor Jahren durchgeführte Befragung durch das demoskopische Institut in Allensbach. Die „Pille“, aber auch ein verändertes Familienbild haben in den zurückliegenden Jahren dazu beigetragen, dass Paare sich immer später entschließen, ein Kind zu bekommen. Ein fortgeschrittenes Alter, insbesondere der Frau, aber auch zwischenzeitlich durchgemachte Erkrankungen, schränken die Fruchtbarkeit erheblich ein. Fakt ist, ab dem 30. Lebensjahr der Frau verringert sich die Chance auf eine Schwangerschaft, nach dem 37. Lebensjahr wird dies noch wesentlich deutlicher wirksam. Es gibt auch zunehmend Hinweise, dass ab dem 45. Lebensjahr des Mannes die Fertilität verstärkt nachlässt. Dennoch ist auf Grund einer veränderten Entwicklung der Samenzellen gegenüber dem Heranwachsen einer fruchtbaren Eizelle beim Mann eine Zeugung bis ins hohe Alter möglich. Es gibt zwar individuelle, auch ethnisch bedingte Unterschiede, grundsätzlich kann man jedoch davon ausgehen, dass nach dem 43. Lebensjahr der Frau eine Kinderwunschbehandlung nicht mehr aussichtsreich ist. Dies auch bedingt durch eine in diesem Alter deutlich erhöhte Fehlgeburtsrate.


Gerade hat eine aktuelle Auswertung der Datensammlung ICMART ergeben, dass in den vergangenen 40 Jahren weltweit mehr als acht Millionen Babys nach einer Fruchtbarkeitsbehandlung durch extrakorporale Befruchtung (IVF/ET) geboren worden. Vor 40 Jahren war daran noch nicht zu denken.

Ja, das ist sicherlich eine große Zahl. Es zeigt, dass diese Behandlung (IVF/ET) sich in den letzten 40 Jahren inzwischen weltweit auf einem hohen Niveau etabliert hat und sehr vielen Menschen ihren größten Wunsch erfüllen konnte. Der Effekt auf das Bevölkerungswachstum liegt derzeit in Europa zwischen 3 und 4 Prozent, am höchsten in Dänemark.


Für Betroffene ist es schwierig zu erkennen, welche Kinderwunschklinik die richtige für ein Paar sein könnte. Was sind aus Ihrer Sicht die wesentlichen Qualitätsfaktoren, auf die Patienten bei ihrer Auswahl achten sollten?

Wesentliche Kriterien sind hier ein erfahrenes Team, ein hoher diagnostischer und therapeutischer Standard und die Einbindung verschiedener Fachdisziplinen in das persönlich angepasste Betreuungskonzept. Dies lässt sich weiter an einer hohen Schwangerschafts- und Geburtenrate und einer ausreichend hohen Therapiefrequenz eines Zentrums ablesen. Zudem sollten aber auch eine niedrige Mehrlingsrate und wenig Komplikationen vorliegen. Die damit verbundene therapeutische Prozess- und Patientensicherheit sollte in einem fein abgestimmten und gelebten Qualitätsmanagement abgebildet sein. Darüber hinaus sollte den Patienten vor Ort eine reproduktions-medizinisch orientierte psychosomatische Betreuung angeboten werden. Auch ein bei uns angebotener verfügbarer ganzheitlicher Therapieansatz im Rahmen der traditionellen chinesischen Medizin ist für einen Teil der Patienten eine wertvolle Ergänzung.


Sie sprechen es an: Ungewollte Kinderlosigkeit ist auch eine psychische Belastung – für einen selbst und die Beziehung. Wie erleben Sie die Patienten in der Praxis?

Sich sehnlichst ein Kind zu wünschen, aber es nicht zu bekommen, ist natürlich sehr belastend. Unsere seit Jahren fortlaufenden Erhebungen bei all unseren Patienten zeigen, dass durchschnittlich 25 Prozent der Patienten durch den Kinderwunsch bereits bei Beginn der Therapie sehr belastet sind und einer begleitenden psychosomatischen Betreuung bedürfen. Wenn es bei den Paaren dann nicht zeitnah mit der Behandlung klappt, nimmt die Enttäuschung und Trauer naturgemäß zunehmend größeren Raum ein. Deshalb bieten wir schon ganz am Anfang eine begleitende Betreuung bei den zu unserem Team gehörenden Psychologinnen an. Dies kann nachweislich den Therapieerfolg verbessern. Bemerkenswert ist auch, dass sich die meisten Paare, die sich für eine Kinderwunschbehandlung entschließen, ganz im Gegensatz zu früheren Annahmen eine gefestigte Partnerschaft aufweisen. Dieser innere Zusammenhalt ist eine wichtige gegenseitige Stütze.


Seit Beginn dieses Forschungszweiges sah sich die Reproduktionsmedizin mit teils massiven Protesten konfrontiert. Auch heute noch gibt es zahlreiche Gegner der Reproduktionsmedizin. Können Sie die Bedenken nachvollziehen?

Wir feiern in diesem Jahr am 25. Juli das 40-jährige Jubiläum der Geburt von Louise Brown, dem ersten Kind, welches nach einer Behandlung durch extrakorporale Befruchtung (IVF/ET) bei Robert Edwards und Patrick Steptoe in England zur Welt gekommen ist. Dafür ist Edwards 2010 mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet worden. Die Proteste gegen diese Therapie waren anfangs so heftig, dass der Reproduktionsmediziner Edwards unbehelligt nur auf Schleichwegen von seinem Haus zum Labor gelangt ist. Meine Sicherheit konnte Mitte der 70er Jahre nicht garantiert werden, deshalb konnte ich dort nur kurzfristig bleiben und ging dann später in die USA, wo die Diskussion um die extrakorporale Befruchtung nur begrenzt stattgefunden hat. Reproduktionsmediziner arbeiten in einem sensiblen Bereich, wir intervenieren bereits zu Beginn eines neuen menschlichen Lebens. Insofern werden wir immer wieder der Kritik ausgesetzt sein und müssen uns den damit verbundenen Fragen regelmäßig stellen. Durch die Einführung neuer Methoden, wie der auch an unserem Zentrum praktizierten Präimplantationsdiagnostik (PID), haben sich jetzt weitere, sehr heftige Diskussionen entzündet. Insbesondere die rasch zunehmenden Erkenntnisse in der Molekulargenetik machen es immer schwieriger, die damit verbundenen ethischen Fragestellungen zeitnah zu bewerten.


Einer der Vorwürfe lautet, Reproduktionsmedizin ist vor allem ein lukratives Geschäft?

Um den bereits erwähnten hohen Erfolgsstandard garantieren und Patienten optimal betreuen zu können, ist ein hoher und komplexer Aufwand notwendig. Um der fortschreitenden Entwicklung und einem hohen Qualitätsstandard auch auf diesem Gebiet gerecht zu werden, ist es deshalb unabdingbar notwendig, die beteiligten Ärzte, Biologen und Mitarbeiter fortwährend weiterzubilden und regelmäßig in neue, sinnvolle technische Entwicklungen zu investieren. Der dabei anfallende Kostenaufwand ist vergleichsweise hoch und wird teilweise nicht von den Kostenträgern mitgetragen. Wenn man dies in der Gesamtschau sieht, dann ergibt sich aber kein grundsätzlicher Unterschied zu anderen Disziplinen. Uns geht es ganz sicher nicht darum, kostenteure Therapieverfahren überzogen einzusetzen. Entscheidend ist der verantwortungsvolle Umgang mit jedem einzelnen Patienten und den verfügbaren Ressourcen. Das kann auch dazu führen, dass wir eine Therapie ablehnen müssen, wenn die medizinischen Voraussetzungen dafür nicht gegeben sind.


Wenn es aufgrund einer Kinderwunsch-Behandlung mit der Schwangerschaft klappt, ist die Freude und Erleichterung auf Patientenseite enorm. Das ist sicher schön, solche Momente mit zu erleben.

Das ist es ganz gewiss! Natürlich freuen wir alle uns sehr, wenn unsere Patienten schwanger werden. Genauso betroffen sind wir, wenn es nicht klappt. Früher war die Distanz der Mediziner zu dem Patienten oft größer, das ist aber heute ganz anders. In unserem Team tauschen wir uns täglich darüber aus, ob es uns gelungen ist, einem Paar zu helfen, besonders wenn es schwierig ist. Wenn dies dann gelingt, ist dies für alle beglückend.