Die Reise ins Ausland lohnt sich nicht
Qualitative Unterschiede zwischen ausländischen und deutschen Instituten sind nicht zwangläufig
Von einigen Zentren, vor allem im südlich angrenzenden Ausland, wird immer wieder die hohe Schwangerschaftsrate unter anderem beim Blastozysten-Transfer propagiert und dabei auf die eingeschränkten Möglichkeiten der deutschen IVF-Zentren auf Grund des Embryonen-Schutz-Gesetzes hingewiesen. Dabei werden immer wieder erhebliche qualitative Unterschiede angesprochen.
Schwangerschaftsraten sind oft statistisch verzerrt
Es ist richtig, dass bei Ausbildung einer regelrecht entwickelten Blastozyste die Schwangerschaftsrate hoch sein kann (> 50 % pro Embryo-Transfer). Dies ist jedoch nur bei einer begrenzten Zahl von Patientinnen mit guter ovarieller Reserve, das heißt bei einer hohen Anzahl von PN-Stadien möglich. Wenn die statistische Auswertung über alle Patienten selektiv auf dieses Verfahren begrenzt wird, dann bewirkt man damit statistisch eine bias (Verzerrung), da die Grundgesamtheit aller Patienten-Gruppen nicht berücksichtigt wird.
Länger andauernde Kultivierung von Embryonen ist unvorteilhaft
Im Übrigen haben vergleichende Untersuchungen gezeigt, dass bei immer noch nicht optimal möglichen Bedingungen in der Zellkultur eine länger andauernde Kultivierung von Embryonen nicht vorteilhaft ist. Insbesondere bei Patienten mit einer reduzierten Anzahl an Eizellen kann das selektive Verfahren der Blastozystenkultur sogar nachteilige Effekte haben, da es hier prozentual nur in wenigen Fällen zu einer regelrechten Blastozysten-Bildung komt. Insofern ist die Strategie einer nichtinvasiven frühzeitigen Analytik und Selektion, z. B. durch Cumuluszell-Diagnostik, sinnvoller.
Eine Eizellspende ist nur sehr wenige Patientinnen relevant
Wie die o. a. Ergebnisse belegen, müssen sich zwischen deutschen und ausländischen reproduktionsmedizinischen Zentren grundsätzlich keine qualitativen Unterschiede ergeben. Andererseits sind einige wenige Verfahren in Deutschland nicht möglich. Dies betrifft vor allem die Eizellspende. Insofern werden hier die Patienten teilweise Zentren im Ausland aufsuchen müssen. Dies betrifft jedoch zahlenmäßig nur eine relativ kleine Gruppe von Patientinnen. Bezogen auf alle Therapiezyklen pro Jahr macht dies weniger als 5 % aller ART-Zyklen pro Jahr aus (EIM - Studie, ESHRE).
Tatsächlich erfolgsentscheidende Faktoren
Letztlich entscheidet über die Erfüllung des Kinderwunsches nicht eine vordergründig vorteilhaftere Zusatzmethode, sondern die sorgfältige Indikationsstellung für die jeweilige Therapie, das effektive Qualitätsmanagement und vor allem die langjährige Erfahrung der beteiligten Ärztinnen und Ärzte, Biolologinnen, Embryologinnen und Arzthelferinnen. Bei oft sehr unterschiedlichen Voraussetzungen der Patienten ist das individuell zwischen dem Paar und dem Arzt abgestimmte Vorgehen wesentlich. Das Eingehen auf die eigentlichen Erfordernisse der Patienten wird letztlich den Therapieerfolg bestimmen.
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